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Anleitung zum UnglĂŒcklichsein (Film)
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Anleitung zum UnglĂŒcklichsein ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 2012 nach dem gleichnamigen Sachbuch von Paul Watzlawick. Die Hauptrolle spielt Johanna Wokalek. In weiteren Rollen sind Iris Berben, Richy MĂŒller und David Kross zu sehen. Das Drehbuch stammt von Sherry Hormann, die auch Regie fĂŒhrte. Der Kinostart war am 29. November 2012.
Contents
âą Handlung
âą Produktion
âą Buchvorlage
âą Dreh
âą Finanzierung
âą Nachwirkung
âą Filmkritiken
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Handlung
Tiffany Blechschmid ist unscheinbar, ein bisschen aberglĂ€ubisch und Single. Obwohl es in ihrem FeinkostgeschĂ€ft selbstgebackene GlĂŒckskekse gibt, misstraut sie selbst dem GlĂŒck zutiefst, ist doch bisher jedem Erfolg in ihrem Leben eine Katastrophe gefolgt. Tiffany steht sich mit ihren negativen Gedanken einfach immer selbst im Weg. Eines Tages zieht Hans Luboschinski, ein berĂŒhmter Pianist, gegenĂŒber dem Feinkostladen ein. Tiffany und ihre Angestellten beobachten gespannt das Geschehen, als der KonzertflĂŒgel mit Getöse zu Bruch geht. Luboschinski erscheint sofort, um nachzusehen, ob sonst niemandem etwas passiert ist, da erkennt Tiffany in ihm ihren Klavierlehrer aus Kindheitstagen. Das weckt sofort in ihr Erinnerungen an alte Zeiten, so hatte sie schon als Kind den Eindruck, dass immer alle anderen besser wĂ€ren als sie. Trotzdem hat sie es zu einem eigenen Laden gebracht, und als Luboschinski sich eine Kleinigkeit kauft und sie nach zwanzig Jahren nicht wiederzuerkennen scheint, ist sie wie damals davon ĂŒberzeugt, nur Durchschnitt zu sein, an den man sich eben nicht erinnert.
Allerdings hat sie den Eindruck, dass der Roma, der auf der StraĂe um Almosen bettelt, ein gutes Zeichen sei; dass er den Krieg ĂŒberlebt hat, muss ein GlĂŒck sein. Prompt spricht sie am Abend der Polizist Frank an und möchte sich mit ihr verabreden. Er sieht sie als Prinzessin, doch holt die RealitĂ€t (in Form ihrer verstorbenen Mutter) sie sehr schnell wieder ein. Diese erscheint ihr nachts in ihren TrĂ€umen, um ihr ins Gewissen zu reden. So wollte sie ihre Tochter immer als Vegetarierin erziehen und war nicht damit einverstanden, als sie einen Feinkostladen eröffnete. Aber auch in TagtrĂ€umen begleitet ihre Mutter sie, um ihr in den unpassendsten Momenten zu erscheinen und sie mit ihren RatschlĂ€gen zu quĂ€len.
Am nÀchsten Tag ist Hans Luboschinski im FeinkostgeschÀft zu Gast. Erstaunt stellt Tiffany fest, dass er sie doch wiedererkannt hat. Er macht ihr Komplimente und ermuntert sie wieder Klavier zu spielen, doch kommt ihr sogleich die Erinnerung an ihre autoritÀre Mutter.
Am Abend hat sie sich mit dem Polizisten Frank zum Essen verabredet, der ihr ernsthafte Avancen macht. Aber er redet auch viel von seiner Arbeit, sieht ĂŒberall potentielle Straftaten und nervt mit seinem ĂŒbertriebenen Sicherheitsdenken. So geht Tiffany nach ihrem Rendezvous doch wieder nur allein in ihre Wohnung zurĂŒck.
Tags darauf weckt der junge Fotograf Thomas Paulson ihr Interesse, als dieser zufĂ€llig in den Laden kommt. Um ihren GefĂŒhlen nicht nachgeben zu mĂŒssen, behandelt sie ihn recht abweisend, was ihn aber nicht davon abhĂ€lt, sie am Abend zum Essen einzuladen. Doch sie muss ihm absagen, da sie schon mit Frank verabredet ist, den sie dieses Mal mit zu sich in die Wohnung nimmt. Sie kann jedoch die IntimitĂ€ten nicht genieĂen, da ihr wiederum ihre Mutter erscheint und laufend dazwischenredet. So endet der Abend fĂŒr beide unbefriedigend, und Frank verlĂ€sst die Wohnung, nachdem Tiffany, ihre Mutter meinend, laut ausspricht: âVerschwinde endlich aus meinem Leben.â
Am nĂ€chsten Tag ist Thomas Paulson wieder im Feinkostladen zu Gast und beschwert sich, dass Tiffany so schlechte Laune habe, wo das zu einer so schönen Frau doch gar nicht passen wĂŒrde. Doch geht sie nicht weiter darauf ein, und unverrichteter Dinge begibt sich Thomas wieder in sein Fotostudio. Unerwartet kommt Tiffany mit ihrem neuen Nachbarn ins GesprĂ€ch. Dies gestaltet sich sehr tiefgrĂŒndig, denn Luboschinski hat offensichtlich gröĂere Probleme. Tiffanys Vermieter Paul konnte ihn von einem Selbstmordversuch abhalten. Er gesteht ihr, dass er nicht zufĂ€llig wieder in ihre NĂ€he gezogen ist. Er hatte gehofft, nach jahrelangem Aufenthalt in Amerika, Tiffanys Mutter wieder zu treffen, und ist schwer getroffen, als er erfahren muss, dass sie schon seit drei Jahren tot ist. Er hatte mit Tiffanys Mutter ein VerhĂ€ltnis und hatte stets vergeblich gehofft, dass sie ihren Mann fĂŒr ihn verlassen wĂŒrde.
Aber auch Tiffany muss wieder einen Schicksalsschlag einstecken, denn der Polizist Frank hat sich aus Versehen, beim Reinigen seiner Pistole, selbst erschossen. Damit gibt sie sich die Schuld, dass es an dem verkorksten Abend gelegen haben könnte. Wieder ist Tiffany davon ĂŒberzeugt, das UnglĂŒck magisch anzuziehen. Aber ihr wird auch die Endlichkeit des Lebens neu bewusst. So ist sie endlich bereit, ihrem Vater zu verzeihen, den sie jahrelang nicht gesehen hat. Als sie ihn besucht, sprechen sie sich aus. Sie gab ihm immer die Schuld daran, sie und ihre Mutter vor Jahren verlassen zu haben. Jetzt, da sie weiĂ, dass ihre Mutter diejenige war, die nicht treu sein konnte, sieht sie die Dinge endlich von ihrer richtigen Seite. Es gelingt ihr plötzlich, die positiven Dinge zu sehen und sich zu freuen, als der Roma wieder vor ihrem Feinkostladen auftaucht, nachdem er tagelang verschwunden gewesen war.
Voller Elan stĂŒrzt sie sich froh gelaunt in die Arbeit und backt auch wieder neue GlĂŒckskekse. Als der Fotograf Thomas Paulson in ihrem GeschĂ€ft eine groĂe Torte bestellt, bringt sie diese persönlich zu ihm. Unaufhörlich redet sie, und Thomas hört einfach nur zu. So stolpert sie am Ende ĂŒber das ganz groĂe GlĂŒck. Und dass sie glĂŒcklich ist, hören ihre Mitarbeiter und GĂ€ste im Laden, als sie gefĂŒhlvoll und beschwingt ihr Klavier zum Klingen bringt. Sie ist nicht mehr Single und betrachtet das Leben nun endlich aus der richtigen Richtung und nicht mehr von hinten.
Produktion
Buchvorlage
Das 1983 veröffentlichte Sachbuch Anleitung zum UnglĂŒcklichsein des österreichischen Psychologen Paul Watzlawick ist auf den ersten Blick eine Art Anti-Ratgeber, der âEmpfehlungenâ zu der Frage abgibt, wie man sein Leben unertrĂ€glich gestalten kann. Allerdings kann (und soll) man in Wirklichkeit das Buch gegen den Strich lesen: Indem der Leser sich bemĂŒht, die im Buch âempfohlenenâ Verhaltensweisen und Haltungen abzulegen, kann er das AusmaĂ des empfundenen UnglĂŒcks reduzieren.
Sherry Hormann versteht den Film unter anderem als LiebeserklĂ€rung an das Leben, âweil wir das GlĂŒck nur erfĂŒhlen können, indem wir auch das UnglĂŒck kennen.âcite-ref-2[2] Die Erweiterung von GlĂŒck entstehe, wenn man den Mut aufbringe, auch seine Ăngste anzuschauen.
Dreh
Gedreht wurde Ende Juni bis Anfang August 2011 hauptsĂ€chlich im Studio Babelsberg in Potsdam.cite-ref-3[3]cite-ref-0-4-0[4] So wurde Tiffany Blechschmids Feinkostladen, ein Berliner EckgeschĂ€ft, mit KĂŒche, Gastraum und StraĂenkreuzung in der Marlene-Dietrich-Halle auf dem StudiogelĂ€nde aufgebaut. Neben dem Feinkostladen sind auch die Wohnungen von Tiffany, ihrem Nachbarn und die ihrer Eltern Studiobauten im Tonkreuz.cite-ref-0-4-1[4]cite-ref-5[5] Einige AuĂenaufnahmen entstanden in Berlin-Kreuzberg (FidicinstraĂe) und Nordrhein-Westfalen (Köln, HĂŒrth, Bergisch Gladbach).
Finanzierung
Anleitung zum UnglĂŒcklichsein ist eine Produktion der Desert Flower Filmproduktion, produziert von Peter Herrmann. Der Film entstand in Ko-Produktion mit der ARD-Degeto, dem Bayerischen Rundfunk und Studio Babelsberg / 8. Babelsberg Film GmbH, der B.A. Produktion GmbH, der MTM west television & film GmbH und der Studiocanal Film GmbH, gefördert durch Film- und Medienstiftung NRW, Medienboard Berlin-Brandenburg, FilmFernsehFonds Bayern, Filmförderungsanstalt (FFA), den Deutschen Filmförderfonds (DFFF) und den BKM. Der Film wurde mit insgesamt 2,2 Millionen ⏠gefördert. Ferner wurde Anleitung zum UnglĂŒcklichsein mit UnterstĂŒtzung durch den Bayerischen Filmpreis produziert, nachdem WĂŒstenblume, die erste Zusammenarbeit zwischen dem Produzenten Peter Herrmann und Sherry Hormann, den Produzentenpreis des Bayerischen Filmpreises 2009 gewonnen hatte.
Nachwirkung
Filmkritiken
Aviva-Berlin, ein Online-Magazin fĂŒr Frauen, lobt den Film ĂŒberschwĂ€nglich: âEin liebenswĂŒrdiger, unterhaltsamer und witziger Film mit einem eindrucksvollen Aufgebot groĂer deutscher SchauspielerInnen. Eine Art âFabelhafte Welt der Tiffanyâ in Berlin, bei der die Zuschauerinnen keinen groĂen psychologischen Tiefgang erwarten sollten, aber das Kino mit der Einladung verlassen, glĂŒcklich zu sein.âcite-ref-9[9]
Das Gros der Kritiker hĂ€lt den Film fĂŒr mittelmĂ€Ăig. So stört z. B. Walli MĂŒller das âGlĂŒckskeks-Niveauâ des Films. Akzeptiere man dieses, so gelte, dass GlĂŒckskekse, âgoldig verpacktâ, âauch SpaĂ machenâ könnten.cite-ref-10[10]
Sophie Charlotte Rieger ist von der Watzlawick-Verfilmung enttĂ€uscht: âDie Verfilmung des paradoxen Ratgebers Anleitung zum UnglĂŒcklichsein kann einen GroĂteil der lebensverneinenden Haltung der Vorlage transportieren. Leider gelingt es Regisseurin Sherry Hormann nicht, auch die Ironie Paul Watzlawicks zu ĂŒbernehmen. Doch es ist genau diese ironische Distanz, die dem Buch nicht nur seinen Witz verleiht, sondern es dem Leser auch ermöglicht, sich schmunzelnd selbst zu erkennen. Ohne die Ironie fĂŒgt sich Anleitung zum UnglĂŒcklichsein passgenau in das Selbstbild der Hauptfigur: mittelmĂ€Ăig und ohne groĂen Wiedererkennungswert.âcite-ref-11[11]
Einen Totalverriss liefert Peter Zander: Eine âRestgefahr, dass der Film trotzdem irgendwie laufen, dass er am Ende doch noch ein Erfolg werden könnteâ, besteht ihm zufolge angesichts der Vielzahl von Fehlern, die die Filmemacher zu verantworten hĂ€tten, nicht.cite-ref-12[12]
Das Frauen-Online-Magazin erdbeerlounge schreibt: âDas Kultbuch aus den 1980er Jahren hat Komödienexpertin Sherry Hormann (Irren ist mĂ€nnlich) jetzt mit Starbesetzung verfilmt. [...] Anleitung zum UnglĂŒcklichsein ist ein Ensemblefilm, der durch die schauspielerischen Leistungen der Darsteller ĂŒberzeugt. [...] Entstanden ist eine federleichte Komödie voll melancholischer Momente ĂŒber LiebesglĂŒck und Liebesleid, die allen Pechvögeln Hoffnung auf eine bessere Zukunft verspricht.âcite-ref-13[13]
Literatur
âą âAnleitung zum UnglĂŒcklichseinâ. AusfĂŒhrlicher Inhalt. Die Kinokritiker
âą Dauerflunsch: âAnleitung zum UnglĂŒcklichseinâ. Focus, 26. November 2012
âą Elmar Krekeler: Wie spielt man die Anleitung zum UnglĂŒcklichsein?. Die Welt, 28. November 2012
âą Martina Kaden: Hormann: Ihre Anleitung zum GlĂŒcklichsein. Interview mit Sherry Hormann. Berliner Zeitung, 28. November 2012
âą Das GlĂŒck findet in uns statt. Interview mit Iris Berben, Johanna Wokalek und Sherry Hormann. Badische Zeitung, 28. November 2012
Weblinks
âą Offizielle Website (Memento vom 12. September 2012 im Internet Archive)
âą Anleitung zum UnglĂŒcklichsein bei IMDb
âą Anleitung zum UnglĂŒcklichsein bei filmportal.de (mit Fotogalerie und Trailer)
Einzelnachweise
cite-note-fsk-11. Freigabebescheinigung fĂŒr Anleitung zum UnglĂŒcklichsein. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, August 2012 (PDF; PrĂŒfÂnummer: 134 433 K).
cite-note-22. â Badische Zeitung: Interview mit Johanna Wokalek und Iris Berben: âDas GlĂŒck findet in uns stattâ. 28. November 2012, abgerufen am 25. Oktober 2024.
cite-note-33. â Studio Babelsberg-Facebook-Chronik: Anleitung zum UnglĂŒcklichsein. Abgerufen am 25. Oktober 2024.
cite-note-0-44. â PNN: Mutters RatschlĂ€ge â Liebeskomödie letzter Akt: Iris Berben und Johanna Wokalek haben in Babelsberg fĂŒr ihren neuen Kinofilm gedreht (Memento vom 26. Oktober 2012 im Internet Archive) Potsdamer Neueste Nachrichten vom 16. Juli 2011, abgerufen am 10. Februar 2017
cite-note-55. â wallstreet-online.de: GlĂŒcklich in Babelsberg â Drehstart von ÂŽANLEITUNG ZUM UNGLĂCKLICHSEINÂŽ wallstreet-online.de vom 23. Juni 2011, abgerufen am 10. Februar 2017
cite-note-66. â Adrian Prechtel / Florian Koch: Film-Flops in Deutschland: Ein verlorenes Jahr. Abendzeitung MĂŒnchen, 5. Dezember 2012
cite-note-77. â Anleitung zum UnglĂŒcklichsein. Abgerufen am 25. Oktober 2024.
cite-note-88. â Videopoint Mainz: Anleitung zum UnglĂŒcklichsein. Archiviert vom Original; abgerufen am 21. Oktober 2024.
cite-note-99. â Martina Wittneben: Anleitung zum UnglĂŒcklichsein. AVIVA-Berlin.de, 25. Juni 2012.
cite-note-1010. â Walli MĂŒller: Anleitung zum UnglĂŒcklichsein (Memento vom 3. Dezember 2012 im Internet Archive). NDR, 28. November 2012.
cite-note-1111. â Sophie Charlotte Rieger: âAnleitung zum UnglĂŒcklichseinâ â Weitgehend ironiebefreit. Kino-Zeit, 29. November 2012.
cite-note-1212. â Peter Zander: Wie man einen Welt-Bestseller denkbar unglĂŒcklich verfilmt. Berliner Morgenpost, 28. November 2012.
cite-note-1313. â Katja Gajek: 33 Filme, die man gesehen haben muss â unbedingt! In: desired.de. Abgerufen am 21. Oktober 2024.